Ein Blick hinter die Kulissen vorbildlicher Führung
Das Interview mit Peter M.
Peter M. (50), Geschäftsführer eines weltweit agierenden Maschinenbauunternehmens, gilt in der Industrie als Architekt adaptiver Systeme. Wer ihn trifft, erlebt keine autoritäre Führungskraft alter Schule, sondern einen strategischen Pragmatiker, der Gelassenheit, Ruhe und unerschütterliche Klarheit ausstrahlt.
Er ist dafür bekannt, Komplexität nicht zu reduzieren, sondern sie durch intelligente Strukturen beherrschbar zu machen. Mit diesem Führungsverständnis hat er das Unternehmen nicht nur saniert, sondern auch zu einem weltweit führenden Akteur im Bereich der Industrietechnik intelligenter Systeme gemacht.
Die Grundprinzipien seiner Mitarbeiterführung lauten: Fragen stellen, Fehler zugeben und Bedenken äußern, ohne dabei Bestrafung, Demütigung oder negative Konsequenzen fürchten zu müssen. Dies ist das Fundament, auf dem die Zukunfts- und Innovationsfähigkeit des Unternehmens fest verankert ist.
Mit Sinnstiftung und radikale Transparenz zum Erfolg
Erhard Ziesecke (EZ): Herr M., in der Branche gelten Sie als jemand, der ohne sentimentale Bremsen, dafür mit einer radikal zukunftsorientierten Strategie agiert. Wie ist die aktuelle Lage im Maschinenbau?
Peter M.: Ich kann nur für uns sprechen. Als ich vor Jahren anfing, war „Vollgas” die einzige Sprache, die hier jeder verstand. Doch wir alle haben gelernt, dass es auf Dauer schädlich ist, wenn ein Motor permanent im roten Bereich dreht. Heute steuere ich nicht mehr über Druck, sondern über Resonanz. Ja, die geopolitische Lage ist volatil, und auch wenn die deutsche Wirtschaft nach mehreren Jahren der Schwäche wieder nennenswert wachsen dürfte, werden global immer wieder die Karten neu gemischt. Wir müssen aufpassen, wachsam und flexibel bleiben. Denn genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Wir haben die Corona-Jahre nicht nur überlebt, sondern auch genutzt, um von der Fragilität zur Antifragilität zu gelangen. Wir warten nicht mehr darauf, dass die Welt stabil wird – wir haben ein System entwickelt, das Herausforderungen durch kollektive Fähigkeiten meistert.
EZ: Das müssen Sie mir erklären. Woher nehmen Sie in so unsicheren Zeiten diese Zuversicht?
PM: Wir haben früh erkannt, dass die digitale Transformation kein IT-Projekt, sondern ein kultureller Wandel ist, der uns widerstandsfähiger macht. Resilienz ist keine Eigenschaft, die man kaufen kann, sondern eine kollektive Fähigkeit. Es geht darum, eine Organisation zu schaffen, die lernfähiger ist als der Markt.
EZ: Unternehmenskultur wird oft als „weicher Faktor“ belächelt. Was sagen Sie dazu?
PM: Wer Kultur als „weich“ bezeichnet, hat die Grundsätze zeitgemäßer Führung nicht verstanden. Für mich ist die Unternehmenskultur das Betriebssystem eines Unternehmens. Es geht um Sinnstiftung und radikale Transparenz. Mein Ziel ist eine vollständige Abkehr von Macht. Wir steuern über Vertrauen, denn Kontrolle ist in einer komplexen Welt schlicht zu langsam und zu teuer.
(Wird fortgesetzt)