Die Architektin einer neuen Arbeitswelt
Seit vierzehn Jahren gestaltet Mia Schneider die Arbeitswelten von morgen. Als HR-Chefin von 860 Mitarbeitern weltweit sieht sie sich nicht als Verwalterin, sondern als Ermöglicherin einer kulturellen Evolution. Für sie ist HR das strategische Herzstück, das Technologie und Menschlichkeit in Einklang bringt.
Exklusivinterview* mit Mia Schneider
EZ: Frau Schneider, erst einmal vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Interview genommen haben.
Mia Schneider (MS): Gerne. Ich habe eine Stunde für Sie reserviert.
EZ: Frau Schneider, Sie definieren Arbeit als schöpferischen Prozess. Wie übersetzen Sie das in eine Zeit, in der KI viele kreative Standardaufgaben übernimmt?
MS: „Schöpferisch“ bedeutet heute nicht nur „schnell Neues entwickeln“, sondern auch kreative Problemlösung in Symbiose mit Technologie. Wir fördern eine Wachstumsmentalität, in der Mitarbeitende KI nicht als Ersatz, sondern als handlungsfähige Erweiterung verstehen. So können sie ihre Potenziale und Talente entfalten, Wünsche verwirklichen und Ziele erreichen. Selbstverwirklichung entsteht, wenn Mitarbeitende Aufgaben ausführen, die Empathie, komplexe Urteilskraft und ethische Verantwortung erfordern.
EZ: Herr Müller erwähnte Just-in-time-Lernen. Wie verhindern Sie dabei eine digitale Überforderung?
MS: Wir haben uns vom „Vorratslernen“ verabschiedet. Unser Ökosystem basiert auf „Learning in the Flow of Work“. Wenn ein Mitarbeiter in einem Projekt auf ein Problem stößt, liefert unsere KI-basierte interne Plattform exakt die passenden Micro-Learning-Module oder vernetzt ihn mit einem internen Experten. Digitale Fitness ist bei uns keine Pflichtveranstaltung mehr, sondern Teil der täglichen User Experience.
EZ: Kritiker sagen, Agilität sei oft nur ein Buzzword für mehr Druck. Wie leben Sie agile Führung wirklich?
MS: Agilität ohne psychologische Sicherheit ist zum Scheitern verurteilt. Unsere Führungskräfte sind keine Kontrolleure, sondern Ermöglicher. Ihre Aufgabe ist es, „Hindernisse” aus dem Weg zu räumen und einen Rahmen zu schaffen, in dem Teams autonom entscheiden dürfen. Wir messen Führungserfolg nicht mehr nur anhand von KPIs, sondern auch anhand der Team-Resilienz und der Geschwindigkeit, mit der aus Fehlern gelernt wird.
EZ: Sie sprachen von „sozialer Anteilnahme“. Klingt das nicht zu sehr nach Wohlfahrt in einem harten Marktumfeld?
MS: Im Gegenteil, das ist harte Betriebswirtschaft. In Zeiten des Fachkräftemangels ist es für uns von entscheidender Bedeutung, ein motivierendes Arbeitsumfeld zu schaffen, das Engagement, Zufriedenheit und Bindung stärkt. Mitarbeitende, für die nur das Gehalt wichtig ist, wechseln für 500 Euro mehr das Unternehmen. Wer sich aber zugehörig fühlt, Verantwortung trägt und Sinn in seiner Arbeit sieht, bleibt dem Unternehmen meist treu. Wir setzen deshalb darauf, Verantwortung und Aufgaben auf mehrere Teammitglieder zu verteilen. Verantwortung wird dorthin übertragen, wo die höchste Kompetenz vorhanden ist, und nicht dorthin, wo der mächtigste Wortführer sitzt.
EZ: Wie bereiten Sie Ihre Führungskräfte auf diese Rolle vor?
MS: Wir investieren massiv in Reflexionskompetenz. Unsere Führungskräfte nutzen KI-gestützte Feedback-Tools, die Stimmungsmuster im Team anonymisiert analysieren. Aber entscheidend bleibt das menschliche Coaching. Wir vermitteln unseren Führungskräften die Fähigkeit, Mehrdeutigkeit, Unsicherheit und widersprüchliche Informationen zu akzeptieren und konstruktiv zu verarbeiten, anstatt vorschnelle Urteile zu fällen. Kurz: Wir vermitteln die Fähigkeit, in einer unsicheren Welt handlungsfähig zu bleiben, ohne alle Antworten zu haben.
EZ: Haben Sie abschließend noch ein paar Worte zur Zukunft?
MS: Die industrielle Transformation ist in erster Linie eine kulturelle Transformation. Wir müssen uns von der „Command-and-Control“-Mentalität verabschieden und eine Kultur des Vertrauens und der radikalen Offenheit etablieren. Nur wer den Mut hat, Hierarchien zugunsten von Kompetenznetzwerken aufzulösen, wird 2026 und darüber hinaus bestehen können.
EZ: Ich danke Ihnen für das Gespräch, Frau Schneider.
Das Profil von Mia Schneider:
Die Visionärin des „Growth Mindset“: Mia Schneider hat das Personalmanagement radikal transformiert – weg vom klassischen „Command and Control“, hin zu einer Kultur des Vertrauens und der radikalen Offenheit. Sie begreift Arbeit als schöpferischen Prozess, in dem KI den Menschen nicht ersetzt, sondern befreit.
Strategin der Psychologischen Sicherheit: Inspiriert von den „Düsseldorfer Gesprächen“, hat sie „Psychological Safety“ zur Bedingung für Agilität gemacht. Sie weiß: Echte Innovation entsteht nur dort, wo Fehler als Lernchance begriffen werden und Teams autonom entscheiden dürfen.
Expertin für moderne Employee Experience: Für Mia Schneider ist soziale Anteilnahme kein „Nice-to-have“, sondern harte Betriebswirtschaft. Sie setzt auf Shared Leadership und investiert massiv in die Reflexionskompetenz ihrer Führungskräfte, um Loyalität durch Sinnstiftung (Purpose) statt nur durch Gehalt zu sichern.
Innovation im „Flow of Work“: Unter ihrer Leitung wurde das Lernen revolutioniert. Statt starrer Fortbildungen setzt sie auf ein digitales Ökosystem, das Wissen punktgenau bereitstellt, wenn es gebraucht wird – effizient, vernetzt und ohne digitale Überforderung.
„Die industrielle Transformation ist vor allem eine kulturelle Transformation. Wir müssen den Mut haben, Hierarchien zugunsten von Kompetenznetzwerken aufzulösen“, betont Mia Schneider.
*Alle Aussagen in diesem Interview beruhen auf realen Begebenheiten. Aus Gründen der Vertraulichkeit wurden Namen, Unternehmen und Produkte verändert. Etwaige Ähnlichkeiten sind unbeabsichtigt und rein zufällig.