Impulsvortrag: Die neue Perspektive auf Führung
„Die neue Perspektive auf Führung“ – so lautete der Titel des Vortrags, mit dem Erhard Ziesecke im Oktober 2025 die Führungskräfte eines mittelständischen Industrieunternehmens schonungslos konfrontierte und zum Widerspruch herausforderte. Für die schriftliche Fassung wurde der Vortrag leicht überarbeitet, um die Lesbarkeit zu verbessern. Dazu wurden einige Sätze umformuliert und andere gekürzt. Hier ist der Vortrag:
Meine Damen und Herren, Führung ist heute ganz sicher kein Schönwetter-Spaziergang mehr. Wenn wir ehrlich sind, dann gleicht sie einem Hochleistungssport unter ständig wechselnden Klimabedingungen. Der Druck, das spüren Sie alle, kommt heute von überall: vom Markt, der keine Fehler verzeiht, von den Eigentümern, die Rendite sehen wollen, von den Mitarbeitenden, die nach Sinn suchen, und nicht zuletzt von dem immensen Anspruch, den wir an uns selbst stellen.
Viele von Ihnen erleben dieses Spannungsfeld täglich. Sie stehen morgens auf und fragen sich: „Wie schaffe ich heute den Spagat zwischen wirtschaftlichem Erfolg, sozialer Verantwortung und meiner ganz persönlichen Belastbarkeit?” Peter M., ein Vordenker moderner Führung, sagte kürzlich in einem Gespräch zu mir: „Früher war ‚Vollgas‘ die einzige Sprache, die jeder verstand. Aber wir haben gelernt, dass es schädlich ist, wenn der Motor permanent im roten Bereich dreht.“
Genau dort stehen wir oft: im roten Bereich. Die entscheidende Frage für heute ist jedoch nicht, wie wir diesen Bereich vermeiden können – denn die Welt wird nicht ruhiger –, sondern wie wir lernen können, in ihm zu navigieren, ohne auszubrennen. Wir wollen heute nicht nur über das Überleben sprechen. Wir wollen darüber sprechen, wie wir exzellente Führung nutzen können, um aus der Unsicherheit eine Stärke zu machen.
1. Die Lage: Warum die Zukunft in Ihren Händen liegt
In einer Welt, die sich im Halbjahrestakt neu erfindet, wird es für Unternehmen immer schwieriger, Schritt zu halten. Geopolitische Erschütterungen sind keine fernen Nachrichten mehr, sondern reale Kostenfaktoren in unseren Bilanzen. Doch lassen Sie mich eines klarstellen: Die Zukunft unserer Unternehmen wird nicht in den politischen Zentren dieser Welt entschieden. Sie wird dort entschieden, wo täglich Wert geschaffen wird: in Ihren Büros, in Ihren Werkshallen und in den Köpfen Ihrer Teams.
Der deutsche Wettbewerbsvorteil
Oft blicken wir ehrfürchtig in die USA mit ihrer technologischen Innovationskraft oder nach China mit seinen gigantischen Datenmengen. Doch Vorsprung entsteht nicht durch das Besitzen von Daten, sondern durch das Übersetzen von Know-how in marktfähige Anwendungen. Unsere Stärke liegt in der Verbindung von Ingenieurskunst, Kundennähe und einer zutiefst praxisorientierten Umsetzung. Exzellente Führung ist dabei kein „Nice-to-have“. Sie ist das Betriebssystem, das diese Stärken erst aktiviert. Unternehmen, die Verlässlichkeit und Qualität mit intelligenten digitalen Lösungen verknüpfen, werden bestehen. Aber – und das ist der entscheidende Punkt – das gelingt nur, wenn Führungskräfte den Boden bereiten, auf dem Transformation wachsen kann.
2. Der Paradigmenwechsel: Von der Resilienz zur Antifragilität
Wir müssen ein Konzept über Bord werfen, das uns lange Zeit als Heilsbringer verkauft wurde: die Resilienz als solche. Resilienz bedeutet Widerstandskraft. Sie beschreibt die Fähigkeit, einen Schlag einzustecken und wieder in die Ursprungsform zurückzukehren. In der heutigen BANI-Welt (brittle, anxious, non-linear, incomprehensible) reicht das jedoch nicht mehr aus. Wir müssen antifragil werden. Ein Begriff, den Peter M. in seiner Strategie radikal umgesetzt hat. Antifragilität bedeutet, dass wir Krisen nicht nur überstehen, sondern durch sie besser werden. Wie ein Muskel, der durch Belastung wächst, muss unsere Organisation durch Erschütterungen stärker werden.
Vertrauen als ökonomischer Faktor
Blicken wir zehn Jahre zurück: Führung bedeutete Planung, Kontrolle und Ergebnisorientierung. Das funktionierte in stabilen Märkten. Heute sind diese Methoden Relikte aus dem letzten Jahrhundert.
Nicht Kontrolle, sondern Vertrauen. Nicht Reaktion, sondern Gestaltung. Nicht Willkür, sondern Sinnstiftung ist gefragt. Peter M. hat es auf den Punkt gebracht: „Kontrolle ist in einer komplexen Welt schlicht zu langsam und zu teuer.“ Vertrauen hingegen ist ein Beschleuniger. Es ist kein „weiches“ Thema für den Stuhlkreis, sondern eine harte ökonomische Entscheidung.
3. Die erste Säule: Selbstführung – Klarheit beginnt innen
Bevor wir andere führen können, müssen wir uns selbst führen können. Das ist keine Esoterik, meine Damen und Herren, sondern schlicht eine Frage der Effizienz. Wer seine eigenen Energiequellen, Werte und Grenzen nicht kennt, kann kein stabiler Anker für andere sein.
In einer Welt, die Perfektion vorgaukelt, ist Exzellenz das Ziel. Exzellenz bedeutet, unter den gegebenen Umständen das Beste zu leisten. Dazu gehört auch die Haltung und der Mut zur Verletzlichkeit. Wenn Sie als Führungskraft offen zugeben, nicht alle Antworten zu haben, zerstört das nicht Ihre Autorität. Im Gegenteil: Sie schaffen das Fundament für echtes Vertrauen. Authentizität ist der Treibstoff wirksamer Führung. Investieren Sie deshalb in Ihre Selbstwahrnehmung. Führungskräfte, die sich selbst gut kennen, erzielen nachweislich bessere Teamleistungen.
4. Die zweite Säule: Menschenführung – Psychologische Sicherheit als Produktivitätsfaktor
Wir dürfen psychologische Sicherheit nicht länger als Luxusgut betrachten. Sie ist unser wichtigster Produktivitätsfaktor. In Teams, in denen Angst herrscht, kann keine Innovation entstehen. Dort wird nur Dienst nach Vorschrift gemacht, um keine Fehler zu begehen. Commitment in Form von Bindung, Verpflichtung, Engagement oder Loyalität bleibt dabei auf der Strecke.
Drei Hebel für echtes Commitment:
Erstens: Echtes Zuhören. Hören Sie zu, um zu verstehen, nicht, um zu antworten. Die Menschen in Ihren Teams wollen Teil der Lösung sein und nicht nur Ausführende.
Zweitens: Fehlerkultur statt Schuldzuweisung. Zukunft entsteht durch Lernen. Wir brauchen eine „Fallsicherheit”. Experimentieren muss erlaubt sein, solange wir schnell daraus lernen.
Drittens: Autonomie durch Ressourcen. Autonomie ohne Ressourcen ist keine Freiheit, sondern Überlastung.
Lassen Sie uns das Konzept der Vertrauensbudgets konkretisieren. Peter M. berichtete von massiven Widerständen, als er anfing, Macht abzugeben. Aber er blieb konsequent. Autonomie braucht drei Arten von
Ressourcen:
Zeit: Schaffen Sie Puffer. 100 % Auslastung bedeutet 0 % Innovation.
Finanzen: Geben Sie Ihren Teams „Vertrauensbudgets“. Wenn jede 500-Euro-Ausgabe über drei Ebenen genehmigt werden muss, ist Autonomie eine Illusion.
Kompetenz: Investieren Sie massiv in die Entscheidungskompetenz Ihrer Mitarbeiter. Denn Autonomie ohne Fähigkeit führt zu Chaos.
5. Die dritte Säule: Unternehmensführung – Kultur schlägt Kostenstruktur
Ein zentraler Punkt aus der Praxis von Peter M. ist die Erkenntnis, dass eine tragfähige Kultur Entlassungen vermeiden kann. Stellen Sie sich das vor! In einer Krise, in der der Umsatz einbricht, bricht das Unternehmen nicht auseinander, weil die Mitarbeitenden die Zahlen verstehen. Radikale Transparenz schafft Vertrauen. Wenn die Mitarbeitenden wissen, warum Maßnahmen getroffen werden, entwickeln sie eine „Wir sitzen alle im selben Boot“-Mentalität statt Silodenken.
Das führte in seinem Unternehmen dazu, dass Mitarbeitende freiwillig ihre Arbeitszeiten reduzierten und das Management auf Gehalt verzichtete, um den Turnaround zu schaffen. Das ist gelebte Antifragilität. Die Kultur entscheidet darüber, ob eine Sparmaßnahme als Angriff oder als gemeinsamer Kraftakt wahrgenommen wird.
6. Strategische Klarheit: Die neue Währung der Zuversicht
In Krisenzeiten ist die Zersplitterung durch Unklarheit das größte Risiko. Klarheit ist die neue Währung der Zuversicht. Wie können wir sie schaffen? Indem wir Visionen greifbar machen. Hören Sie auf mit trockenen PowerPoint-Präsentationen! Nutzen Sie Storytelling. Wohin geht die Reise? Wie sieht unser Erfolg in zwölf Monaten aus? Menschen folgen Geschichten, keine Bullet Points. Fokussieren statt verzetteln: Was sind die drei unverhandelbaren Prioritäten für die nächsten 90 Tage? Alles andere ist Rauschen. Fokus ist das neue Multitasking. Sinn vermitteln: Warum tun wir das hier eigentlich? Mitarbeitende, die den Sinn verstehen, sind loyaler und leistungsbereiter. In unsicheren Zeiten ist Sinn das stärkste Bindemittel.
7. Fünf konkrete Hebel für den Alltag
Ich möchte Ihnen fünf Hebel mitgeben, die Sie ab morgen in Ihren Alltag integrieren können.
Erstens: Seien Sie transparent. Kommunizieren Sie mutig, auch wenn die Nachrichten nicht gut sind. Gerüchte sterben im Licht der Information.
Zweitens: Setzen Sie Agilität vor Planung. Vertrauen Sie mehr auf 90-Tage-Zyklen. Geschwindigkeit schlägt Perfektion. Kleine Experimente liefern schnellere Daten als lange Meetings.
Drittens: Investieren Sie in Menschen. Kürzungen bei der Personalentwicklung in der Krise sind der teuerste Fehler überhaupt. Identifizieren Sie Ihre Leistungsträger – jene 20 Prozent, die 80 Prozent des Erfolgs ausmachen – und geben Sie ihnen den Raum, den sie benötigen.
Viertens: Bleiben Sie kundenorientiert. Schauen Sie nicht nur auf Ihre Kosten. Schauen Sie auch auf Ihre Kunden. Welches Problem Ihrer Kunden können Sie heute besser lösen als gestern?
Fünftens: Machen Sie Ihre Erfolge sichtbar. Feiern Sie auch die kleinen Siege. Ein schwedischer Manager servierte nach jedem Erfolg „Prinzessinnentorte” in der Kantine. Das klingt banal, aber Erfolg nährt Hoffnung – und Hoffnung hält die Bewegung aufrecht.
9. Die Realität: Es wird wehtun
Ich möchte nicht, dass Sie mit dem Eindruck hier herausgehen, das alles sei einfach. Peter M. hat zu Recht eingeräumt, dass seine Schilderungen oft idealisiert klingen. In der Realität kam es zu Lieferkettenbrüchen, explodierenden Energiekosten und massiven Ängsten in der Belegschaft. Der Weg zur exzellenten Führung ist gepflastert mit Reibungsverlusten. Es wird Widerstände geben. Es wird Momente geben, in denen Sie an Ihrem Kurs zweifeln werden. Aber genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Krisen zerstören keine Unternehmen – sie legen nur offen, was vorher schon gefehlt hat. Sie zeigen uns, wer wirklich führt.
10. Fazit: Sie sind der Kompass
Meine Damen und Herren, unser Verhalten als Führungskraft wirkt ansteckend. Wenn wir Ruhe ausstrahlen, wirkt sich das beruhigend auf die gesamte Organisation aus. Zeigen wir Zuversicht, geben wir anderen Mut. Wenn wir Echtheit zeigen, erzeugen wir Vertrauen. Menschen folgen nicht Strategien, sondern Stimmungen. Und diese Stimmung beginnt bei Ihnen. Exzellente Führung ist keine Technik, die man erlernt, sondern eine Haltung, die man einnimmt.
Ich lade Sie ein: Entscheiden Sie sich für die Zuversicht! Akzeptieren Sie die Veränderung, aber lassen Sie sich nicht von ihr lähmen. Übernehmen Sie Verantwortung, auch wenn Sie nicht die vollständige Kontrolle haben. Die Zukunft gehört nicht den größten oder reichsten Unternehmen. Die Zukunft gehört den Mutigsten. Und dieser Mut beginnt hier. Er beginnt bei Ihnen. Jetzt.
Vielen Dank.
Exzellente Führung in Richtung Zukunftssicherheit
Der nachfolgende Text ist das Transkript des Impulsvortrags von Erhard Ziesecke, der am 18. September 2025 anlässlich der Führungskräftetagung in Düsseldorf gehalten wurde. Für die schriftliche Form wurde der mündliche Vortrag leicht überarbeitet, um die Lesbarkeit zu verbessern. Dazu wurden einige Sätze umformuliert und andere gekürzt.
Einleitung: Das Spannungsfeld verstehen
Führung ist heute eindeutig kein Schönwetter-Spaziergang mehr. Vielmehr gleicht sie einem Hochleistungssport unter ständig wechselnden Klimabedingungen. Der Druck, das spüren Sie alle, kommt heute von überall: vom Markt, von den Eigentümern, von den Mitarbeitenden – und nicht zuletzt von uns selbst. Viele von Ihnen erleben dieses immense Spannungsfeld fast täglich und fragen sich: Wie kann ich den Spagat zwischen wirtschaftlichem Erfolg, sozialer Verantwortung und meiner ganz persönlichen Belastbarkeit schaffen?
Der entscheidende Faktor: Exzellente Führung
In einer sich rapide wandelnden Welt ist es für Unternehmen zunehmend schwierig, mit den Veränderungen Schritt zu halten. Gegenwärtig beobachten wir, dass geopolitische Herausforderungen zu signifikanten wirtschaftlichen Kosten führen. Deshalb ist in Zeiten maximaler Unsicherheit exzellente Führung für die Zukunftssicherheit vieler Unternehmen entscheidend. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Zukunft eines Unternehmens nicht in den politischen Zentren dieser Welt, sondern dort entschieden wird, wo täglich Wert geschaffen wird: in den Unternehmen selbst. Erst durch die Kompetenz und Kreativität aller Mitarbeitenden entstehen neue Geschäftsmodelle, ein höherer Kundennutzen und international gefragte Produkte. So gestaltet jeder Einzelne die Zukunft seines Unternehmens entscheidend mit.
Die gute Nachricht lautet deshalb:
Unternehmen, die es schaffen, klassische Tugenden wie Verlässlichkeit, Schnelligkeit, Flexibilität und Qualität mit intelligenten, digitalen Lösungen zu verknüpfen, können sich langfristig besser gegen den internationalen Wettbewerbsdruck behaupten – auch gegenüber dem chinesischen Preisdruck und den wechselnden handelspolitischen Rahmenbedingungen in den USA.
Zwar verfügen die USA über technologische Innovationsstärke und China über enorme Datenmengen als Wettbewerbsvorteil. Doch diese Vorsprünge allein entscheiden nicht über den Erfolg. Entscheidend ist, wie Technologie, Daten und Know-how in konkrete, marktfähige Anwendungen und neue Geschäftsmodelle übersetzt werden. Genau hier liegt die Stärke vieler deutscher Industrieunternehmen – in der Verbindung von Ingenieurskunst, Kundennähe und praxisorientierter Umsetzung.
Exzellente Führung spielt dabei eine zentrale Rolle: Sie schafft die organisatorischen und kulturellen Voraussetzungen, damit Mitarbeitende den Wandel aktiv mitgestalten. Führungskräfte, die Orientierung geben, Eigenverantwortung fördern und digitale Kompetenzen aufbauen, legen den strategischen Grundstein für die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens.
Damit stellt sich die entscheidende Frage: Wie sollten Mitarbeitende geführt werden, damit sie die Transformation mittragen und vorantreiben?
Paradigmenwechsel in der Führung
Blicken wir nur zehn Jahre zurück, stellen wir fest, dass Führung damals stark von Planung, Kontrolle und Ergebnisorientierung geprägt war. Doch diese Methoden stammen aus einer Zeit stabiler Märkte, wie es sie heute nicht mehr gibt. Heute gelten ganz neue Spielregeln. So muss beispielsweise eine Kultur der Innovation das Scheitern tolerieren, ohne dass dies Auswirkungen auf die Karriere hat.
Meine Beobachtungen zeigen, dass Innovationen, marktfähige Anwendungen und neue Geschäftsmodelle dort entstehen, wo Menschen nah an Kundinnen und Kunden, Märkten, Technologien oder den eigentlichen Problemen arbeiten. Neue Ideen und echte Durchbrüche entstehen nicht in den Hierarchien, nicht in der Mitte oder an der Spitze einer Organisation, wo Strukturen, Regeln und Kontrolle dominieren. Denn Mitarbeitende erwarten heute weit mehr als nur Anweisungen: Sie wollen Sinn erleben, sich beteiligen und sich weiterentwickeln. Das Problem ist: Viele Organisationen arbeiten immer noch mit Werkzeugen aus dem letzten Jahrhundert, obwohl sich die Welt faktisch im Halbjahrestakt neu erfindet. Exzellente Führung bedeutet deshalb einen Paradigmenwechsel:
Und ja, Unternehmen müssen heute antifragil werden. Das bedeutet, dass wir Krisen nicht nur überstehen, sondern auch aus ihnen lernen sollten. Wir müssen an ihnen wachsen. Das in diesem Zusammenhang oft verwendete Wort „Resilienz” bedeutet lediglich „überleben”. Antifragilität bedeutet hingegen, durch Erschütterungen besser zu werden. Wie meine Gespräche mit Führungskräften aus wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen zeigen, gelingt das am besten, wenn konsequent auf Lernen, Dezentralität und eine starke Feedbackkultur gesetzt wird. In diesen Gesprächen habe ich drei Säulen exzellenter Führung entdeckt:
Selbstführung: Klarheit beginnt innen
Bevor wir andere führen können, müssen wir zunächst uns selbst führen. Das ist keine Esoterik, meine Damen und Herren, sondern schlichtweg eine Frage der Ökonomie. Selbstführung bedeutet, die eigenen Energiequellen, Werte und Grenzen genau zu kennen – ebenso wie die eigenen Stärken und Entwicklungsfelder. Erst wenn wir uns selbst verstehen, sind wir in der Lage, unser Denken, Fühlen und Handeln bewusst zu steuern und unsere Ziele wirksam zu verfolgen.
Erfahrungen aus exzellent geführten Organisationen zeigen: Führungskräfte mit ausgeprägter Selbstwahrnehmung erzielen nachweislich bessere Teamleistungen. Denn wer sich selbst führen kann, kann auch andere inspirieren und fördern.
Ich lade Sie ein, sich regelmäßig folgende Fragen zu stellen:
Das ist keine Wohlfühlübung, sondern eine Investition in die Führungsfähigkeit. In einer BANI-Welt ist Perfektion eine Illusion – Exzellenz jedoch ist möglich. Sie bedeutet, unter den gegebenen Umständen das Bestmögliche zu leisten. Zeigen Sie Haltung – und Mut zur Verletzlichkeit. Wer offen zugibt, nicht alle Antworten zu haben, schafft paradoxerweise das größte Vertrauen. Authentizität ist kein „weiches“ Thema, sondern ein entscheidender Erfolgsfaktor wirksamer Führung. Selbstführung ist die Basis, Authentizität ihre sichtbare Wirkung. Wer sich selbst klar führen kann, wird auch andere klarer, empathischer und erfolgreicher führen.
Menschenführung: Vertrauen schlägt Kontrolle
Psychologische Sicherheit ist heute kein Luxus mehr, sondern unser wichtigster Produktivitätsfaktor.
Meine Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit Organisationen aus der industriellen Produktion und industrienahen Dienstleistungen belegt: Teams mit hoher psychologischer Sicherheit sind deutlich innovativer und wesentlich loyaler. Diese Sicherheit entsteht, wenn im Führungsalltag drei Dinge unser Handeln bestimmen:
1. Echtes Zuhören
– nicht, um schnell zu antworten, sondern, um tief zu verstehen. Die Menschen wollen Teil der Lösung sein.
2. Eine Fehlerkultur statt Schuldzuweisungen
Zukunft entsteht durch Lernen, nicht durch Perfektion. Eine Kultur der „Fallsicherheit“, in der Experimentieren erlaubt ist, schafft Mut. Angst produziert dagegen Stillstand.
3. Autonomie in klaren Rahmenbedingungen
Meine Beobachtungen belegen: Autonomie wirkt nur, wenn die Ziele sehr klar sind, die Feedbackzyklen eng sind und die nötigen Ressourcen verfügbar sind. Lassen Sie uns deshalb kurz über Ressourcen sprechen.
Zeitressourcen: Autonomie braucht Zeitpuffer zum Denken, Lernen und Experimentieren. Sind Teams zu 100 Prozent ausgelastet, bedeutet „Autonomie” oft nur „mehr Verantwortung ohne Entlastung”. Das führt zu Stress statt Innovation. Führung muss der logischen Verknüpfung zweier Aussagen Rechnung tragen: Wer Autonomie gewährt, muss Kapazitäten schaffen, etwa durch konsequente Priorisierung oder die Entlastung von Routinearbeit.
Finanzielle Ressourcen: Die Teams müssen über Entscheidungsfreiheiten mit Budgetrelevanz verfügen. Wenn jede kleine Anschaffung oder Pilotmaßnahme erst durch verschiedene Hierarchieebenen genehmigt werden muss, ist Autonomie eine Illusion. Führungsimplikation 1: Richten Sie „Vertrauensbudgets“ oder „Innovationsfonds“ ein, über die die Teams selbst entscheiden können, zum Beispiel fünf Prozent des Projektvolumens für Experimente.
Kompetenzressourcen: Autonomie funktioniert nur, wenn die Mitarbeitenden über die entsprechenden Fähigkeiten, Kenntnisse und Werkzeuge verfügen, um wirklich gute Entscheidungen zu treffen. Andernfalls führt Autonomie nur zu Unsicherheit oder Fehlentscheidungen. Führungsimplikation 2: Investieren Sie massiv in Weiterbildung, Coaching und die Fähigkeit, Entscheidungen systematisch und fundiert zu treffen. Dazu gehört das Verständnis des Entscheidungsprozesses, das Bewerten von Optionen, das Anwenden von Wissen und das Treffen von Entscheidungen auf der Grundlage von Daten und Analysen. Vertrauen ist also kein Freifahrtschein, sondern eine ganz bewusste, aktive Führungsentscheidung.
Was oft vergessen wird: Wertschätzung ist die günstigste und wirksamste Form von Gehalt! Geld motiviert nur kurzfristig, Anerkennung hingegen langfristig.
Unternehmensführung: Klarheit und Sinn schaffen
In Krisenzeiten ist das größte Risiko nicht das Scheitern, sondern die Zersplitterung durch Unklarheit. Klarheit ist die neue Währung der Zuversicht! Wir schaffen sie in drei Schritten:
1. Vision greifbar machen
Wie sieht unser Erfolg in einem Jahr wirklich aus? Nutzen Sie Storytelling! Menschen folgen keiner PowerPoint-Präsentation, sondern einer fesselnden Geschichte.
2. Fokussieren statt verzetteln
Fragen Sie sich: „Was sind die drei unverhandelbaren Prioritäten für die nächsten 90 Tage?” Alles andere wird delegiert oder gestrichen. Fokus ist das neue Multitasking.
3. Sinn vermitteln
In unsicheren Zeiten ist Sinn das stärkste Bindemittel. Menschen wollen wissen, wofür sich ihr Einsatz wirklich lohnt. In Gesprächen mit mir berichten Führungskräfte, dass Mitarbeitende, die den Sinn ihrer Arbeit verstehen, deutlich loyaler sind.
Von der Theorie zur Praxis – fünf konkrete Hebel
Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch fünf Hebel mitgeben, die Sie sofort umsetzen können:
1. Transparenz bieten
Gerüchte entstehen immer dort, wo Informationen fehlen. Kommunizieren Sie offen, regelmäßig und vor allem mutig. Das baut ein unerschütterliches Vertrauen auf.
2. Auf agiles Handeln statt starrer Planung setzen
Kurze 90-Tage-Zyklen, schnelle Feedbacks und kleine Experimente sind der Schlüssel. Geschwindigkeit schlägt Perfektion.
3. In Menschen investieren
Kürzungen bei der Personalentwicklung sind der teuerste Fehler, den Sie machen können. Identifizieren Sie die 20 Prozent Ihrer Mitarbeiter, die für 80 Prozent des Erfolgs verantwortlich sind, und fördern Sie sie. Geben Sie ihnen Verantwortung und Raum zur Gestaltung.
4. Die Außenorientierung bewahren
In Krisen schauen viele nach innen. Erfolgreiche Führung schaut jedoch konsequent nach außen – zu Kunden, Partnern und Marktveränderungen. Fragen Sie sich deshalb jeden Tag: „Welches Problem meiner Kunden kann ich heute besser und vorausschauend lösen?”
5. Erfolge sichtbar machen
Feiern Sie Fortschritte, auch die kleinen. Erfolg nährt Hoffnung – und Hoffnung hält Teams in Bewegung. Ein außergewöhnlich erfolgreicher schwedischer Manager hat sein Team nach jedem maßgeblichen Erfolg zu einer kleinen Feier in die Kantine eingeladen und dabei eine Prinzessinnentorte, einen schwedischen Nationalkuchen, serviert.
Die Wirkung exzellenter Führung
Unser Verhalten als Führungskraft wirkt ansteckend.
Menschen folgen nicht Strategien, sondern Stimmungen. Und diese Stimmung, meine Damen und Herren, beginnt bei Ihnen. Exzellente Führung bedeutet, eine Kultur zu schaffen, die aus Herausforderungen wächst. Eine Organisation, die nicht auf Schocks reagiert, sondern aus ihnen lernt. Das ist Zukunftssicherheit in Aktion. Zum Schluss noch ein paar Worte:
Die Zukunft beginnt bei Ihnen
In den letzten Jahren habe ich viele Führungskräfte getroffen: erschöpfte, kämpferische und hoffnungsvolle. Die Erfolgreichsten unter ihnen haben eines gemeinsam: Sie glauben an die Zukunft. Nicht, weil sie naiv sind, sondern weil sie handeln, statt zu hadern. Führung bedeutet, inmitten von Knappheit Fülle zu erzeugen – durch Sinn, Energie und eine klare Richtung. Exzellente Führung ist keine Technik, sondern eine Haltung.
Krisen zerstören keine Unternehmen – sie legen nur offen, was fehlt, und zeigen, wer wirklich führt. In diesem Sinne: Sie sind der Kompass! Die Zukunft gehört nicht den größten, sondern den mutigsten Unternehmen.
Und diese Zukunft beginnt bei Ihnen. Jetzt!